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В оформлении дизайна сайта использованы фотоматериалы из книги «Amtliches Material zum Massenmord von Katyn» (Berlin, 1943) и фотографии из архива Алексея Памятных.

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Amtliches Material zum Massenmord von KATYN


die Bildung einer Tasche, in der sich der Schmauch verfangen konnte, begünstigt wurde. Die stark positiven und deutlich differenzierten Dithizonreaktionen an Kragenteilen der Leichen von Katyn zwingen zu dem Schluß, daß die Schüsse aus geringster Entfernung und zwar mit aufgesetzter Waffe abgegeben wurden. Wenn die gleichen Schlußfolgerungen nicht auch aus den Untersuchungsbefunden für die Hauteinschüsse zu ziehen sind, so bedeutet dies, wie bereits gesagt, keinen Gegenbeweis, da einerseits der Schmauch durch den Mantelkragen großenteils abgefangen wurde, andererseits die Schmauchreste u. a. durch Austritt von Fäulnisprodukten aus dem Schußkanal sowie durch Ablösung der Oberhaut und sonstige Leichenveränderungen an den Weichteilen abtransportiert sein können.

Die widerspruchlos sich zusammenfügenden Resultate der mit Hilfe der Infrarotphotographie, mittels Mikroskop und durch den mikrochemischen Bleinachweis geführten Schmauchhofuntersuchungen zeigen mit völliger Eindeutigkeit, daß es sich bei den Genickschüssen um Nahschüsse mit aufgesetzter Mündung handelt, seien es Genickschüsse auf den hochgeschlagenen Mantelkragen oder auch auf die Haut selbst.

12. Ort und Art der Exekutionen

Die sowohl hinsichtlich der Lokalisation der Einschußstelle in einem ganz beschränkten Bereich der Hinterhauptgegend als auch der Richtung des Schußkanals und somit der Lage des Ausschusses bei den Opfern festzustellende auffallende Gleichartigkeit lassen unter Berücksichtigung der enormen Zahl der durch Genickschuß Exekutierten von vornherein keinen Zweifel daran aufkommen, daß die Erschießungen planmäßig serienweise durch geübte Hand ausgeführt worden sind.

Die am Rande des „L”-Grabes aufgefundenen Patronenhülsen sind Hinweise darauf, daß die Opfer — aller Wahrscheinlichkeit nach vorwiegend — außerhalb der Gruben erschossen wurden.

Zu der wiederholt insbesondere auch von ausländischer Seite aufgeworfenen Frage, ob die Häftlinge auch im Grab, und zwar stehend oder in liegender, mit dem Kopf zur Erde gerichteter Stellung erschossen worden sein könnten, wird wie folgt Stellung genommen:

In einem der untersuchten Fälle war festgestellt worden, daß abgesehen von dem Vorhandensein eines Genickschusses ein Querschläger lediglich die äußere Knochentafel des Scheitelbeines eingedrückt hatte. Hieraus wurde von Besuchern der Massengräber geschlossen, daß durch dieses Geschoß zunächst ein anderer Offizier ermordet worden war. Das Geschoß wäre dann nach Austritt aus dessen Körper — also in sekundärer Phase — in die Leiche eines bereits erschossenen in der Grube Liegenden unter Hinterlassung der beschriebenen Spur eingedrungen. Diese Tatsache führte zu der kombinatorischen Folgerung,

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daß Erschießungen offenbar auch in den Gräbern stattgefunden hätten. In einem weiteren Falle fand man bei der Bergung einer auf dem Gesicht liegenden, mit Mütze versehenen Leiche das Geschoß, das den Schädel in der üblichen Genickschußrichtung passiert hatte (Stirnausschuß), tief eingedrückt in das im übrigen unversehrte Stoffgewebe der inneren Fläche des Mützenschirmes vor. Aus diesem Befund wurde von Besuchern ebenfalls geschlossen, daß das Mordopfer den tödlichen Schuß in liegender, mit dem Kopf zur Erde gewandter Stellung erhalten haben müßte.

Für den erstzitierten Fall könnte die Annahme, es sei auf einen Liegenden geschossen worden, u. a. nur dann beweisgültig sein, wenn der Treffer in ursprünglicher Grablage bei der zu unterst liegenden Leiche genau in den Bereich unterhalb des Ausschusses des zuerst getroffenen Opfers hätte lokalisiert werden können.

Dies konnte jedoch nicht mehr nachgeprüft werden, da der Befund des Querschlägers erst nach Bergung erhoben wurde, da die Leiche also bereits aus dem Zusammenhang der Leichenmasse abgesondert war. Es muß daher offen bleiben, ob der vermutete Schuß auf einen Liegenden nicht außerhalb dieses Grabes am Exekutionsort stattgefunden hat. Unter Berücksichtigung der in der Regel völlig unkontrollierbaren Flugrichtung eines Querschlägers könnte das Geschoß aber auch durchaus von einer am Grabrand durchgeführten Exekution stammen und sich als Querschläger auf die bereits im Grabe liegende Leiche entsprechend verirrt haben. Die Folgerung, es sei im Grab selbst auf einen Liegenden geschossen worden, ist also bei sorgfältiger Abwägung aller Möglichkeiten zwar durchaus möglich, aber nicht ganz schlüssig.

So bestechend die aus dem zweiten Falle gezogene Folgerung zunächst auch erscheint, hält sie doch der kritischen gerichtsärztlichen Bewertung nicht in jeder Richtung stand. Selbstverständlich kann man den Standpunkt vertreten, daß das Geschoß nach Passieren des Schädels infolge Anpralls am Mützenschild matt werden konnte und im extremsten Falle dann zu Boden gefallen wäre, wenn das Opfer bei der Erschießung gestanden hätte. Es wäre aber irrig, demzufolge zu schließen, daß im vorliegenden Fall in liegender Stellung exekutiert worden sein müßte. Denn es ist nicht auszuschließen, daß das in das Grab gelegte Opfer primär einen Stirnsteckschuß mit fast vollkommenem Durchtritt des Geschosses durch die Stirnweichteile aufwies, was öfter beobachtet wurde. Das Geschoß kann dann infolge fäulnisbedingten erhöhten Gasdruckes in der Leiche, allmählicher Auflockerung der Hautspannung, eigener Schwere und Pressung im Bereich der Leichenmasse in das der Stirn vorgelagerte Mützenschild sekundär eingedrückt worden sein. Dieser Vorgang kann dadurch be-günstigt worden sein, daß das Stoffgewebe des Mützenschirmes infolge Durchtränkung mit Fäulnisflüssigkeit zudem erweicht und somit aufnahmefähig geworden war.

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Eine analoge Sekundärabwanderung des Steckgeschosses auf die Leichenunterteile ließ die Untersuchung der Leiche Nr. 2399 (poln. Hauptmann, Grab 2, in 2,5 m Grabtiefe) erkennen. Das im Verlaufe der Leichenlagerung aus der Ausschußwunde ausgetriebene Geschoß fand sich auf dem zur darunter liegenden Leiche gehörenden Mantel in fettigen Auflagerungen eingebettet.

Es bleibt in diesem Zusammenhang schließlich auch noch zu erwägen, ob sich das Geschoß nicht erst beim Anheben der Leiche aus dem stark mazerierten Auschußbereich loslöste und höheren, von der fettigen Unterlage ausgehenden Adhäsionskräften zufolge an den fettigen Verkrustungen der Mantelunterlage haften blieb.

Wieder andere Fälle (u. a. Leiche Nr. 2433) beweisen, daß das Geschoß im Schädelausschuß durch die von verschiedenen Opfern getragene Feldmütze verdämmt worden war. Bei einer dieser Mützen war das Geschoß beim Durchschlagen des Schweißbandes matt geworden und in diesem steckengeblieben.

Bei der Leiche Nr. 2796 (Grab 1) wurde festgestellt, daß das Geschoß nach dem Schädeldurchtritt (Stimhaargrenze) unter Ermattung gerade noch Schweißband und Futter der Schirmmütze durchschlagen hatte.

So unproblematisch die letzgenannten Fälle sind — es handelt sich um die üblichen, den stehenden Opfern beigebrachten Genickschüsse —, so aufschlußreich sind abschließend folgende Befunde: Bei einer informatorischen Untersuchung der untersten Leichenschicht im Grab 1 konnte das zu einem Genickschuß gehörige Geschoß im Sandboden der Grabsohle unter dem Kopf des Opfers, und zwar 5 cm tief in angenäherter Orientierung zur Ausschußöffnung im Schädel noch freigelegt werden. Im gleichen Untersuchungsgang wurde daselbst unter einer Nachbarleiche der untersten Schicht auf der Grabsohle auch eine Geschoßhülse (Geco 7,65 mm) aufgefunden.

Abschließend hat man sonach unter Zugrundelegung der letzgenannten Feststellungen bei Anlegung strengsten Maßstabes an die Bewertung der Tatortund Leichenbefunde folgenden Standpunkt zu vertreten:

Man wird zu der Auffassung kommen müssen, daß in einem, und zwar dem letztzitierten Falle das Opfer im Grab 1 in Bauchlage liegend durch Genickschuß getötet worden ist. Es liegt daher nahe, diese bei einer nur informatorisch angestellten Untersuchung getroffene Feststellung zu verallgemeinern und anzunehmen, daß Erschießungen in liegender Stellung auch im Grabe selbst vorgekommen sind. Dagegen lassen die Schußbefunde, die ihrer speziellen Art nach bei oberflächlicher Prüfung wohl zunächst zu gewissen Kombinationen Anlaß geben konnten, nach erschöpfender Diskussion absolut beweisgültige Schlüsse weder auf Erschießungen der Opfer in stehender noch auf Tötung in liegender Position innerhalb der Grabstätten zu.

Einschüsse in die Grabwandungen haben sich trotz Nachprüfungen an keiner Stelle nachweisen lassen. Es ist daher auch nicht nachzuweisen, daß in den Grabstätten selbst Exekutionen im Stehen stattgefunden haben.

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Hinweise darauf, daß die Opfer mit Maschinengewehren oder Maschinenpistolen erschossen worden sein könnten, ergaben sich ebenfalls nicht.

Es verbleibt noch zu prüfen, ob die Opfer die Genickschüsse im Stehen oder im Knien erhalten haben und wenn stehend, ob die Kopfhaltung normal, gehoben oder gesenkt gewesen ist.

Wie aus den Sektionsbefunden hervorgeht, weisen die Befunde am Schußkanal darauf hin, daß die Waffe bei Abgabe der Genickschüsse schräg von hinten unten angesetzt worden sein mußte. Somit und vor allem unter Berücksichtigung der Lage der Ausschüsse erscheint es von vornherein unwahrscheinlich, daß die Opfer in kniender Stellung mit gesenktem Kopf erschossen worden sein könnten.

Rekonstruiert man aus den Ein- und Ausschüssen den Schußverlauf, so ergibt sich, daß die Schußrichtung bei aufrechter Kopfhaltung von hinten nach vorn in einem Winkel von 45 ° ansteigt. Man hat daher am ehesten zu schließen, daß die Opfer stehend mit normaler Kopfhaltung oder allenfalls leicht gesenktem Kopf den Genickschuß erhalten haben. Das Zurück- oder Seitlichfallen nach Erhalt des Schusses dürfte durch Halten der Opfer an beiden Oberarmen vermieden worden sein. Die große Regelmäßigkeit, die bezüglich der Lokalisation der Einschüsse festzustellen ist, spricht insonderheit für letztgenannte Hinrichtungsart. Auch wäre die Anordnung der zwei- und dreifachen Genickschüsse mit einem Beschuß der liegenden Opfer nicht in Einklang zu bringen, würde wohl aber möglich sein, wenn ein stehendes Opfer von zwei Seiten festgehalten wird.

13. Fesselungen.

Waren bei einer Vielzahl von Leichen, die in den einzelnen Grabstätten häufig in Bauchlage aufgefunden worden waren, die Arme lediglich auf dem Rücken zusammengelegt, so stellte man andererseits bei einer nicht minder großen Anzahl der Opfer Fesselung der über dem Rücken gekreuzten Hände fest.

Während von den aus dem „L”-Grab, dem größten der 8 Massengräber, geborgenen Leichen etwa 5 % Handfesselung aufweisen, von den Opfern in den Giäbern 2 und 5 nur einige, die aus den Gräbern 4 und 6 stammenden Leichen dagegen ausnahmslos an den Händen über dem Rücken gefesselt sind, hatte es dieser Maßnahme bei den Opfern aus den Gräbern 3, 7 und 8 vor der Erschießung offenbar nicht bedurft

Bei den Gefesselten handelte es sich vorwiegend um jüngere Offiziere und Fähnriche; diese hatten offenbar im Gegensatz zu den älteren bis zum letzten Augenblick Widerstand geleistet oder Fluchtversuche gemacht.

Die Technik der Durchführung dieser Fesselung ist in den in die Hunderte gehenden Beispielen immer völlig gleichartig, gleichsam stereotyp, woraus zu schließen ist, daß sie von einer ebenso sicheren und geübten Hand angelegt

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worden sein muß, wie sie bei denjenigen anzunehmen ist, die tausende streng lokalisierter Genickschüsse verabfolgt haben.

Die Handfesselung ist konsequent mittels einer 3—4 mm starken, geflochtenen, fabrikmäßig hergestellten, farblosen Gardinen- bzw. Vorhangschnur erfolgt. Die Schnurlänge schwankte in den überprüften Fällen zwischen 1,75 und 1,95 m.

Die Fesselungsschnur wird zunächst doppelt gelegt und in einfacher Schlaufe über eins der beiden Handgelenke (in der Regel rechts) — zwischen Unterarmund Handwurzelknochen — geführt und durch Zusammenziehen geschlossen. Sodann werden die beiden gleichlangen Schnurenden zur anderen Hand geführt und zunächst einmal gemeinsam um das zweite Handgelenk geschlungen. Während nun nach Teilung der eine Schnurstrang in der natürlichen Richtung weiterläuft, greift der zweite rückläufig unter Bildung einer Schlaufe über die beiden zusammenliegenden Stränge hinweg und legt sich so um das Handgelenk, daß jetzt eine mehrmalige gegenläufige Sekundärumwicklung mit der nun nicht mehr gedoppelten Schnur durchgeführt wird. Nach dreimaliger Umwicklung werden die beiden Enden durch Unterknotung mittels einfacher Schleife geschlossen.

Die Fessel ist so angelegt, daß sie sich beim Versuch der Entfernung der Hände voneinander automatisch zusammenzieht. Die Handfesseln mußten ursprünglich sehr straff gesessen haben, worauf die jeweils tief in die leichenwachsartig umgebildete Haut einschneidenden Schnürfurchen zwischen den Unterarm- und Handwurzelknochen hinwiesen.

Die Mehrzahl der aus Grab 5 geborgenen Leichen und Einzelfälle aus weiteren Gräbern wiesen neben der obligatorischen Handfesselung zusätzlich Kopffesselungen auf. Den Opfern ist der ausgezogene Militärmantel bzw. die Ueberjacke oder der Waffenrock so über den Kopf gezogen, daß das Gesicht gleichsam in den hinteren Rückenteil des Mantels oder Rockes hineinschaut. Ueber Hinterkopf und Rücken sind die Ueberwürfe durch Zuknöpfen geschlossen und mittels analoger Schnur, wie diese zur Handfesselung gedient hatte, am Hals fest zugezogen.

Zur Durchführung der Hand- und Kopffesselung sind getrennte Schnüre verwandt worden. Die Technik der Anlegung der Kopffessel ist folgende: Der über den Kopf gezogene Mantel ist zunächst mittels Schnur, deren Gesamtlänge 1,50 m beträgt, am Hals schlingenförmig extrem zugezogen und fest verknotet. Der Durchmesser dieser Schlinge beträgt nur 11 cm!

Die Kopffessel ist in die Handfessel eingebunden, und zwar derart, daß das eine der beiden von der Halsschlinge ablaufenden freien Schnurenden um das Verbindungsstück der Handgelenkschlingen gelegt und nach Rückführung auf halbem Wege mit dem zweiten freien Schnurstück verknotet und mit weit-schlingiger Schleife geschlossen ist.

Der Abstand vom Halsschlingenknoten bis zur Handfessel beträgt lediglich 17,5 cm! Den Opfern waren sonach zuerst die Hände gefesselt worden. Nach

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Anlegen der Kopfumhüllung wurde die Halsschlinge gelegt, die mit ihren freien Enden in die Handfessel so eingebunden war, daß jeder Versuch der Befreiung einer Hand oder der Lockerung des Kopfes automatisch die Kopfschlinge bzw. umgekehrt die Handfessel nur um so enger zusammenziehen mußte.

In einem der untersuchten Fälle war sogar der Zwischenraum zwischen dem Mantel und dem Kopf des Opfers reichlich, und zwar in mehrere Zentimeter dicker Schicht mit Sägespänen ausgefüllt. Auf Grund des Ausfalles der mikroskopischen Untersuchung handelte es sich hierbei um Kiefernholzspäne (gefunden: Holzfragmente mit gehöften Tüpfeln, Trachëiden, Kiefernpollen).

Beim vorsichtigen Freilegen der Mundhöhle dieser Leiche fand man Sägespäne in der Mundtasche und am Zungengrund sowie in den Zahnzwischenräumen, wobei zu bemerken ist, daß der Mund vordem geschlossen und die Haut der Wangen wie Lippen völlig erhalten war.

Es kann hiernach nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß diese Kopffessel zu Lebzeiten angelegt worden ist und damit die Atmung bis zur Erschießung stark beeinträchtigt haben muß. In jedem solchen Fesselungsfall fand sich obendrein noch der typische einfache oder aber auch der doppelte Genickschuß (u. a. Leiche Nr. 2400), der durch den über den Kopf gezogenen und zugebundenen Mantel auf das Opfer abgegeben worden war, was wiederum beweist, daß die Kopffessel noch zu Lebzeiten angelegt worden war.

Völlig übereinstimmende Fesselungsarten (Handfesselung. Kopfumwicklung, Späneausfüllung des Zwischenraumes zwischen Mantel und Kopf, Halsumschnürung sowie Einbinden der Kopf- in die Handfessel wurden auch bei einer Vielzahl von «Leichen erschossener Russen nachgewiesen, die auf Grund des Zersetzungszustandes der Körper (Fettwachspanzer und Skelettierung) aus den bereits erwähnten wesentlich älteren russischen Massengräbern des Katyner Waldes freigelegt worden waren. Ein besonderes eindrucksvolles Beispiel dieser Art bildet eine Russenleiche, an der der Kopf bei gleichzeitiger Handfesselung fest mit einem braunen Schafspelzmantel umwickelt und umschnürt war.

Aus allen diesen Feststellungen ergibt sich zwingend, daß die bei der Ermordung der polnischen Offiziere zur Anwendung gebrachten Methoden durchaus einem von den Sowjets seit Jahrzehnten bereits geübten Verfahren entsprechen.

Durch die gerichtsärztlich-kriminalistischen Befunde wurde bewiesen, daß die bei den kombinierten Fesselungen, insbesondere auch bei der Kopffesselung angewandten Methoden mit Marterungen für die Opfer verbunden waren.

14. Stichverletzungen.

Abgesehen von zahlreichen anderen Leichen fanden sich bei der Untersuchung des polnischen Leutnants Stefan Mejster (Erkennungsnuminer 0378) neben uncharakteristischen, zum Teil rundlichen, rißförmigen Verletzungen in

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den verschiedenen Bekleidungsstücken Bajonettstiche ausgesprochen vierstrahliger Struktur, wie sie durch Stiche mit dem stilettartigen sowjetischen Bajonett hervorgerufen werden und von mir bereits wiederholt im Rahmen anderweitiger Untersuchungen über sowjetische Völkerrechtsverletzungen im Baltikum hatten nachgewiesen werden können.

An der Rückenfront des Mantels, des Rockes, der Hose, beider Hemden und im Achselstück des Opfers waren typische Bajonettstiche festzustellen. Sie waren in der Gesäß- und Oberschenkelgegend besonders gehäuft.

Infolge senkrechter Bajonettführung ist ein Teil der Stichverletzungen durch symmetrische Vierzipflichkeit sinnfällig gekennzeichnet, während die übrigen Stiche infolge Verlängerung der einen Achse mehr schlitzförmig erscheinen. Führt man sich die Bewegungsphasen vor Augen, die das Opfer als Folge der Stichverletzung durchgemacht — Stich von hinten oben schräg nach unten, Zusammensinken des Betroffenen nach vorn und gleichzeitiges Herausziehen des Bajonetts (Schneidwirkung) —, so wird ersichtlich, daß das Normalbild des Einstiches durch Aufschneiden des Stoffes je nach dem Grad der stattfindenden Körperbeugung mehr oder minder schlitzförmig entstellt sein kann, wobei die -Webart (Kette und Schuß) mitbestimmend gewirkt haben. Korrespondierend mit den Stichverletzungen in den Bekleidungsstücken fanden sich an der Leiche in der Gesäßgegend, der rechten Schulter und an der Rückseite der Oberschenkel kaum mehr erkennbare Gewebsdefekte. Randstruktur und ursprüngliche Form waren offensichtlich wegen der bereits fortgeschrittenen, schmierigfettigen Zersetzung und Erweichung des Gewebes nicht mehr sicher zu erkennen.

Am Knochensystem fand sich an der Leiche des Leutnants Mejster lediglich eine korrespondierende Stichverletzung an einer Rippe. Diese Stiche sind also entsprechend ähnlichen Beobachtungen an anderen polnischen Offizieren so zu erklären, daß das widerstrebende Opfer zur Exekutionsstätte gewaltsam getrieben werden sollte.

Aehnliche Bajonettstiche konnte ich übrigens auch an deutschen Soldaten und Zivilpersonen aus dem Nordabschnitt der Ostfront feststellen, die völkerrechtswidrig getötet worden waren, z. B. an drei litauischen römisch-katholischen Pfarrern.

Die erörterten Stichverletzungen waren gegen Risse und Gewebszerstörungen, wie sie beim unvorsichtigen Bergen von Leichen durch Anwendung unzweckmäßiger Bergungswerkzeuge sekundär gesetzt werden können, sowohl makroskopisch als auch auf mikroskopischem Wege sicher zu differenzieren.

Somit ist abschließend festzustellen, daß einem Teil der Katyner Opfer vor der Genickschußtötung nicht nur Kopf- und Handfessel angelegt waren, sondern daß diese auch Bajonettstiche erhalten hatten.

Offensichtlich hatte, wie bereits erörtert, ein nicht beträchtlicher Teil der Mordopfer vor dem Tode Widerstand geleistet, worauf neben den Stichver-

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letzungen im besonderen auch die serienmäßig wiederkehrenden Handgelenkfesselungen hinweisen.

Solche Stichverletzungen überhaupt und insbesondere die Art und Lokalisation ihrer Beibringung beweisen, daß die Opfer durch körperliche Qualen an die Richtstätte getrieben worden sind.

Zusammenfassung:

1. Auf Grund des bisherigen Standes der Untersuchungen wurden aus den im Katyner Wald gefundenen Massengräbern 4143 Angehörige der ehemaligen polnischen Armee geborgen, von denen 2815 (67,9 %) identifiziert werden konnten. Die Ausgrabungen mußten aus sanitätspolizeilichen Gründen (Hitze, Fliegenplage) am 3. 6. 43 abgebrochen werden. Eine weitere erhebliche Zahl von Opfern harrt sonach noch der Ausgrabung, der Identizierung und Untersuchung.

2. Neben zwei Brigadegenerälen wurden unter den Mordopfern 2250 Offiziere verschiedenster Ränge, 156 Aerzte und Veterinäre, 406 Offiziere ohne erkennbaren Rang, Fähnriche und Mannschaften sowie ein Feldgeistlicher sofort an Ort und Stelle identifiziert. Die Identifizierung der übrigen Leichen an Hand der bei ihnen gefundenen Briefschaften und sonstigen persönlichen Gegenstände ist noch im Gange.

3. Sämtliche Leichen, die durchweg u. a. persönlichste Gebrauchsgegenstände, Erinnerungsstücke, Briefe von Angehörigen, Dokumente und Tagebücher bei sich trugen, waren mit gut passenden polnischen Uniformstücken bekleidet, die größtenteils noch Rangabzeichen, Orden und Ehrenzeichen erkennen ließen. Bei den Leichen fanden sich des weiteren zahlreiche militärische Ausrüstungsgegenstände. Die Leichen aus den Gräbern 1 und 7 wiesen Winterkleidung, die aus Grab 8 vorwiegend Sommerkleidung auf.

4. Bei Untersuchung der Leichen fanden sich keinerlei Anhaltspunkte für eine natürliche krankhafte Todesursache. Dagegen wiesen, abgesehen von Einzelfällen, bei denen ein Schuß nicht — oder nicht mehr — festgestellt werden konnte, alle Leichen den typischen Genickschuß von 7,65 mm Kaliber auf. Entsprechende Hülsen und Geschosse (Steckschüsse) sowie eine am Tatort aufgefundene unversehrte Patrone belegen dieses Ermittlungsergebnis. Die Schüsse wurden aus größter Nähe mit aufgesetzter Mündung abgegeben. Bei einer Vielzahl der exekutierten Opfer ging der Genickschuß durch den hochgeschlagenen Mantelkragen hindurch. Die Feststellung des Nahschusses wurde mit den modernsten physikalischen, optischen und chemischen Methoden getroffen. Hervorzuheben ist die Tatsache, daß die drei Jahre alten Schmauchhöfe der Nahschüsse nicht nur durch Infrarot-Photographie besonders deutlich gemacht werden konnten, sondern daß auch der chemische Nachweis der Nahschüsse durch den

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positiven Ausfall der Diphenylamin-Schwefelsäureprobe und die Feststellung von Initialresten (Blei) mit Hilfe der Dithizonprobe eindeutig möglich war.

5. Die Erschießungen fanden offenbar vorwiegend außerhalb der Gräber statt.

6. Bei einer großen Zahl der Leichen war eine gleichförmige Fesselung der Hände auf dem Rücken feststellbar. Anderen, speziell aus dem Grabe 5 geborgenen Opfern, die ebenfalls durch Genickschuß getötet worden waren, hatte man den Mantel über den Kopf gezogen, hierbei in einigen Fällen auch den Raum zwischen Mantel und Kopf reichlich mit Sägespänen ausgefüllt. Dabei muß es zu starker Atembehinderung gekommen sein. Die Kopfumhüllung wurde mittels einer Halsschlinge zugezogen. Diese Halsfessel wurde mit der Handfessel so verbunden, daß jede versuchte Abwehrbewegung korrespondierende Behinderung und Schmerzen auslösen mußte. Bei den Kopffesselungen aus kombinierten Fesselungen ist eine Marterungstendenz nach dem gerichtsärztlichen Befund offensichtlich.

7.  Zu diesen Fesselungsmethoden kommt der Nachweis zahlreicher Bajonettstiche, die speziell an den Uniformstücken der Opfer noch eindeutig zu erweisen waren und zweifellos mit dem stilettartigen vierstrahligen sowjetischen Bajonett vor der Erschießung gesetzt worden waren, um die Opfer durch körperliche Qualen an die Richtstätte zu treiben.

8.  Die verschiedentlich nachgewiesenen, zu Lebzeiten entstandenen Unterkieferbrüche beweisen Mißhandlungen der Opfer z. B. mit Fäusten oder Gewehrkolben vor der Ermordung.

9.  Der stereotype Genickschuß sowie die völlig gleichförmige Fesselung der Hände und des Kopfes erweisen eindeutig, daß Fesselungen und Erschießungen von geübter Hand geschahen.

10.  Die Leichen zeigten verschiedene Zersetzungsformen. Neben geringer Skelettierung und partiellen Mumifizierungserscheinungen an den unbekleideten Körperteilen (Leichen aus der obersten Grabschicht) fand sich durchweg ausgesprochene Leichenwachsbildung mit fettiger Durchtränkung der Kleidungsstücke.

11.  Die Zersetzung der Leichen ist primär unabhängig vom Boden erfolgt, sie wurde jedoch sekundär vor allem hinsichtlich der Fettwachsbildung und der Konservierung der inneren Organe maßgeblich durch die saure Bodenreaktion gesteuert. Durch die Leichenzersetzungsprodukte sind andererseits charakteristische chemische und strukturelle Veränderungen im Boden hervorgerufen worden, z. B. Bildung von Eisensulfid, Vivianitablagerungen, Bleichung des Bodens und Abführung seiner Feinstbestandteile. Diese Erscheinungen weisen zwingend auf eine mehrjährige unveränderte Leichenlagerung an primärer Stelle hin.

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12. Die beobachteten Leichenerscheinungen, Sektions- und sonstigen Untersuchungsbefunde sind weiterhin mit dem auf Grund spurenkundlicher Feststellungen (u. a. Dokumente) und Zeugenaussagen russischer Bewohner benachbarter Dörfer beweisgültig festgelegten Leichenalter von drei Jahren vollauf in Einklang zu bringen.

13. Der mangelhafte Insektenfraß weist darauf hin, daß die Tötung und Einscharrung der Leichen in insektenfreier kalter Jahreszeit stattgefunden hat Aus den bei den Leichen aufgefundenen Dokumenten, Briefschaften, Tagebüchern und Zeitungen ergibt sich objektiv, daß die Erschießungen im März, April und Mai 1940 erfolgt sind.

16. Leichenöffnungsbericht des deutschen Gerichtsarztes

Leiche Nr. 0833 poln. Oberleutnant, Name noch nicht eindeutig festgestellt, aufgenommen im Walde von Katyn am 30. 4. 1943, 10.00 Uhr.

Obduzent: Oberarzt: Dr. Huber.

Vorgang : Die Leiche wurde aus einem Massengrab (neben dem Massengrab mit Grundwasser gelegen) aus einer Tiefe von aetwa 1,60 m nach Wegräumen von vier weiteren Leichen, welche sie teils bedeckten, teils neben ihr lagen, geborgen. Die Leiche lag in Bauchlage, das linke Bein ausgestreckt, das rechte Bein im Hüftgelenk leicht nach vorn gebeugt, im Kniegelenk nach rückwärts gebeugt, die Hände mit dünner Schnur auf den Rücken gefesselt, Kopf in Gesichtslage.

A. Aeußere Besichtigung

1. Mit polnischer Offiziersuniform bekleidete Leiche in vorgeschrittenem Fäulniszustand. Körpergröße: 1,66 m.

2. Die Kleidung besteht aus:

a) Uniformmantel von grünlichem Stoff mit Metallknöpfen, welche den polnischen Adler tragen. An der Rückseite des Mantels, 50 cm vom Unterrande entfernt, etwa in der Mitte, ein kreisrundes Loch, mit leicht ausgefransten Rändern, von etwa 0,5 cm Durchmesser.

b) Uniformbluse, gleichfalls aus grünem Stoff, an den Schulterstücken 2 Sterne. Die Knöpfe sind ordnungsgemäß geschlossen, Rückseite unbeschädigt.

c) Stiefelhose aus demselben Stoff, von schmalem Ledergürtel festgehalten. Auch hier sind die Knöpfe geschlossen.

d) Wickelgamaschen von nicht mehr feststellbarer Farbe.

e) Hohe Schnürschuhe, anscheinend aus schwarzem Leder.

f) Hemd ohne Kragen.

g) Lange Unterhose, anscheinend von weißer Farbe.

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Als Inhalt der Taschen finden sich folgende Gegenstände: Taschentuch, kleine Streichholzschachtel mit russischer Aufschrift, alederner Tabaksbeutel, polnisches Papiergeld, Geldbörse mit zwei Münzen als Inhalt, Feuerzeug mit englischer Beschriftung, kleiner Zelluloid-Kamm, kurzer grüner Bleistift, Erkennungsmarke ohne Prägung, polnischer Paß, das Lichtbild völlig verwaschen. Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich ein Abklatsch desselben, einen Mann im Alter von etwa a30—40 Jahren darstellend. Der Paß enthält eine Postkarte mit Marke Deutsche Post Osten und russischem Tagesstempel mit Datum 6. 2. 1940. Die Anschrift der Postkarte nur teilweise leserlich.

3. Nach Auskleiden zeigt sich: Starke Fäulnis der ganzen Leiche; die Oberfläche der Haut, soweit noch vorhanden, grauschwärzlich, mißfarben.

4. Der Kopf ist stark mit Sand beschmutzt, Gesichtszüge nicht mehr erhalten. Behaarung ziemlich dicht, braunschwärzlich, etwa 2 cm lang, nur wenig festhaftend.

5. An der rechten Stirngegend, 3 cm oberhalb des Augenhöhlenrandes, eine Durchtrennung der Haut mit unscharfen Rändern von oben Mitte nach rechts unten verlaufend, 4 cm lang. Der Knochen ist etwa in Handtellergröße in der rechten Stirn- und Schläfen-aScheitelgegend eingedrückt. Die Haut des Kopfes vorn größtenteils erhalten, in der Hinterkopfgegend, sowie seitlich in der Scheitelgegend fehlend. Es finden sich lose in der Schädelhöhle kleinere Teile beider Scheitelbeine sowie mehrere kleinere Knochenstücke. Am linken Scheitelbein von rechts unten nach rückwärts oben verlaufend, etwa 1 cm lange und 0,7 cm abreite Eindellung des Knochens mit ziemlich scharfen Rändern in der Form eines Geschosses. Die innere Tafel des Knochens ist an dieser Stelle anscheinend nur etwas eingedrückt. Die Innenfläche sämtlicher Knochenstücke weist eigenartig kreidig-fettigen, ziemlich trockenen Belag auf.

6.  Haut der Schläfen-Jochbeingegend sehr dünn, hochgradig faul.

7.  In beiden Wangengegenden ausgedehnte Fettwachsbildung. Es finden sich besonders in der Kinngegend und in der unteren Wangengegend Bartstoppeln von bis zu etwa 3 mm Länge.

8. Die Augenlider noch vorhanden, gesthrurnpft, mißfarben. Augäpfel völlig weich, Regenbogenhäute grau-blau.

9. Das knorpelige Nasengerüst fehlt fast völlig. Die Haut, soweit vorhanden, dünn, vertrocknet.

10. Mund noch erhalten, die Lippen geschrumpft, weich; im Mundvorhof reichlich Sand. Die Zunge ragt als dünnes, weiches Gebilde zwischen den Zahnreihen vor. Das Gebiß sehr mangelhaft. Im Unken Oberkiefer sind

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1. und 3. Zahn vorhanden, rechts ein Rest vom 2. sowie der ganze 4. Zahn, im Unterkiefer sind die Schneidezähne vollständig, auch die Backenzähne, es fehlen nur 5. und 6. rechts. Zähne stark abgekaut.

11. Von den Weichleilen des Halses sind nur wenig weiche, faulige Reste vorhanden.

12.  Brust flach, mit Freiliegen des Fettkörpers und der Rippen an der rechten Seite und Fettwachsbildung. Die Schlüsselbein-aBrustbeingelenke klaffen.

13.  Der Bauch völlig eingesunken, so daß die Umrisse der Wirbelsäule vortreten.

14.  Die äußeren Geschlechtsteile zusammengeschrumpft, papierartig vertrocknet.

15.  Das rechte Schultergelenk klafft weit, die Gelenkskapsel größtenteils zerstört; von den Weichteilen des rechten Oberarms sind nur kleine Muskelreste, von Fettwachs umgeben, vorhanden. An den rechten Unterarmknochem nur noch wenig Fettwachs, ebenso liegen von der Hand nur noch Knochen, Sehnen und Fettwachs vor. Der linke Arm noch völlig im Zusammenhang, es ist aetwas mehr Muskulatur vorhanden als rechts. An den Handgelenken befindet sich die schon oben beschriebene Fesselung, rechts aus fünffacher Umschlingung mit einer geflochtenen Schnur von etwa 0,3 cm Durchmesser bestehend, links einfache Laufschlinge.

16. Die Weichteile der unteren Gliedmaßen sind stark geschrumpft, an der Rückseite der Oberschenkel findet sich Fettwachs. Die Gelenke noch im Zusammenhang, der linke Fuß wird beim Ausziehen des Schuhs trotz Vorsicht im Sprunggelenk abgerissen.

17. An der Rückseite der Leiche fehlt in der Rücken- und Gesäßgegend die Haut vollständig, die Rippen liegen zum Teil frei, es findet sich ausgedehnte Fettwachsbildung.

B. Innere Besichtigung

I. Kopfhöhle.

18. Vom knöchernen Schädeldach haftet am Schädel nur noch das linke Stirnbein mit dem vorderen Teil des linken Scheitelbeins. Es findet sich eine Bruchfläche von der Mitte der Stirn annähernd horizontal bis in die Gegend des linken, oberen Ohrenansatzes aziehend. Beim Zusammensetzen der einzelnen Teile des Schädeldaches finden sich etwa 3 cm links der Pfeilnaht Teile eines Loches von annähernd runder Form von 1,5 cm Innendurchmesser. Der Knochen ist nach außen kegelförmig erweitert ausgebrochen; äußerer Durchmesser etwa 2 cm. Teile eines ähnlichen Loches mit nach außen kegelförmig sich erweiternden Rändern finden sich an einer Bruchlinie des rechten Scheitelbeins. In der Hinterhauptgegend ergibt sich beim Zusammenpassen der Knochen ein dreistrahliger Defekt von je 4—5 cm Länge und 1—2 cm Breite; im Hinterhauptsbein, etwas rechts der Gegend des Hinterhauptsvorsprungs,

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ein halbkreisförmiger Defekt mit nach innen kegelförmig erweitertem Rand, Größe nicht genau feststellbar, da nur ein Teil des Knochens vorhanden, etwa 1,52 m über Sohlenhöhle.

19. Harte Hirnhaut vielfach zerrissen. Vom Gehirn ist nur eine salbenartige, schmierige, grau-rötliche Masse vorhanden. Blutungen lassen sich nicht feststellen.

20 Der knöcherne Schädelgrund ist unverletzt.

21. Zahn des zweiten Halswirbels in normaler Stellung, nicht abnorm beweglich.

II. Brust- und Bauchhöhle.

22. Inhalt der Bauchhöhle hochgradig geschrumpft, das Bauchfell weißlich, kreidig belegt, Därme papierartig vertrocknet.

23.  In der Nierengegend beiderseits ausgedehnte Fettwachsbildung.

24.  Zwerchfellstand nicht feststellbar.

a) Brusthöhle.

25.  Rippenknorpel wenig verkalkt.

26.  Lungen hochgradig geschrumpft, die linke Lunge an der Spitze etwas verwachsen.

27. Das Brustfell weißlich, teilweise kreideartig und von Fettwachskörnchen bedeckt.

28. Herzbeutel stark vertrocknet; als Inhalt findet sich etwas ölige, gelbliche Flüssigkeit. Herz stark geschrumpft.

29. Speiseröhre im Brustteil noch vorhanden, der untere Teil geschrumpft und dünn, oben sehr weich, im Halsteil fehlend.

30. Von der Luftröhre gleichfalls nur der untere Teil vorhanden, weich, mißfarben. Es findet sich kein Inhalt.

31.  Innere Brustdrüse nicht auffindbar.

32.  Schilddrüse und Kehlkopf fehlen.

33.  Lungen grau-braun, unter dem Lungenüberzug große Gasblasen. Das Gewebe völlig schlaff, mißfarbig, trocken.

34. Herz 11 : 8:2 cm groß. In den Herzhöhlen etwas gelbliche Schmiere. Der Herzmuskel schwärzlich, etwa 0,5 cm dick, im ganzen von kleinen weißen Knötchen (Kalkseifenknötchen) durchsetzt. Klappenapparate zart und schlußfähig. Körperschlagader im allgemeinen glattwandig, mit nur vereinzelten gelben Flecken, 6 cm weit. Die Körperschlagader enthält etwas grauen Brei. Kranzschlagader mittelweit, glattwandig.

Der Mord von Katyn Bg. 7

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b) Bauchhöhle.

35. Milz schlaff, sehr stark geschrumpft, 9:6 cm groß, 0,2—0,4 cm dick, sehr weich, schmierig, grün-schwärzlich.

36. Leber völlig schlaff, 20 : 12 : 1 cm groß, auf der Schnittfläche trocken, mit noch etwas erkennbarer Zeichnung, von weißen harten Knötchen (Kalkseifenknötchen) durchsetzt.

37. Bauchspeicheldrüse nicht erkennbar, an ihrer Stelle eine stärkere Anhäufung von Fettwachs.

38. Magen stark geschrumpft, seine Wand sehr dünn; es findet sich wenig krümeliger, kaffeesatzartiger, trockener Inhalt. Die Innenwand mißfarben, grau-grünlich. Auch im Zwölffingerdarm und in den oberen Dünndarmabschnitten wenig trockener Inhalt, Darm wand unverletzt.

39. Linke Niere klein, etwa 0,5 cm dick, Zeichnung nicht erkennbar, Kapsel glatt, von Fettwachs umgeben.

40. Die rechte Niere ähnlich wie die linke, rechte Nebenniere noch vorhanden, weich, gelb-bräunlich.

41. Blase geschrumpft, vertrocknet; ihre Innenwand blaß-rötlich, Balken nicht vortretend.

42. Hoden etwas über haselnußgroß, schlaff, geschrumpft.

43. Bauchschlagader 5 cm weit, mit einzelnen gelben Flecken der Innenhaut. Es findet sich etwas grau-rötlicher, schmieriger Inhalt.

44. Das Knochenskelett des Rumpfes und der Gliedmaßen anscheinend unverletzt.

Vorläufiges Gutachten

I. Todesursache ist Schädelzertrümmerung infolge von Schädeldurchschüssen.

II. Im knöchernen Schädel fanden sich Teile eines Einschusses im Hinterhaupt und mindestens zwei Ausschüsse in der Stirn-Scheitelgegend. Ein drittes Geschoß kam als Querschläger zur Wirkung. Die genaue Anzahl der Schußverletzungen des Schädels, das Kaliber der zur Wirkung gelangten Geschosse sowie die Schußentfernung können erst nach Präparation (Mazeration) des Schädels ermittelt werden.

III.  Der Zustand der inneren Organe entspricht einem Lebensalter von etwa 35—45 Jahren.

IV. Der Fäulnis- bzw. Verwesungszustand der Leiche ist mit einer Liegedauer im Erdgrabe von etwa drei Jahren vereinbar.

(Dr. med. habil. Huber)
Oberarzt         

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Дата: Среда, 21 Март 2007
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